Clubw71's Blog

10. April 2012

Digital Primitives

Einsortiert unter: Blues,Free Jazz,Jazz,Musik — clubw71 @ 12:12

DIGITAL PRIMITIVES

Wir lassen uns am 9. April 2012 nach Weikersheim zur zweiten Hälfte des INTENSIV 3 Festivals locken, weil schon der Name des Programmpunktes einen kontrastreichen Ostermontagabend verspricht. Dass uns eine Zeitreise durch 6016 Jahre Jazzgeschichte erwartet – wer hätte das geahnt? COOPER-MOORE, ein äußerst vitaler Mittsechziger, spielt nämlich beim Zwischenstop auf dem Weg von Bilbao nach Paris nicht nur die Selbst¬bauinstrumente, für die er bekannt ist, den Didley-Bow, ein uriges Banjo und einen Mund¬bogen, wie er schon auf Höhlenmalerei des Magdalénien zu sehen ist, er spielt auch einen Geschichtslehrer, der seine Lektionen mit jeder Faser seines musikalischen Wesens ver¬körpert. Den Einstieg macht ein Fife & Drum-Duo mit CHAD TAYLOR, den wir so elegant und konzentriert schon vom Chicago Underground Duo her schätzen. Die schrille kleine Trommelflöte blies in der Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges den Miet- und Zwangssöldnern aus Hessen und Ansbach den Marsch in den jungen Tod. Als Pfeifer und Tambour rekru¬tierte Sklaven verwandelten den Sound nach dem Krieg in Partymusik – eine der Urformen des Dschäss. Danach führen Taylor und ASSIF TSAHAR, ein Tenorsaxophonist mit Wurzeln in Tel Aviv, vor, wie dieser Jazz heute klingt – wild und zugleich melodiös, mit schönheitstrunkenem Kopf das Freiheitsfeuer in der Faust. Lektion 2 ist ein zweites Duett für Schwegelpfeife und Trommel, aber Taylor darf jetzt nur Besen benutzen für zarte Streicheleinheiten zu einer Flötenmelodie, die sich als alter Billie Holiday-Song entpuppt. Vereint zum Trio tanzt Cooper-Moore dann mit allen Vätern und Müttern des Jazz. Taylor trommelt über die Felle wie ein Gepard, der sein Revier absprintet, und wechselt im Handumdrehen Tempo und Takt, von temperamentvollem Rhythm & Blues zu metrisch gevierteltem Rock zu Samba-Groove. Kernmotiv ist ‘Over the Rainbow’. Tsahar ’singt‘ es lauthals und schwelgerisch in vielen Variationen, reimt ‚lullaby‘ auf ‚high‘ und ‚why can’t I‘ so frischgrün, wie vor Judy Garland in Oz nur Eva in Eden es hätte singen können. Dort nämlich steuert Cooper-Moore in seiner Geschichtsstunde hin, wenn er nach den wundersamsten Melodien und Rhythmen auf seinem sonoren Monochord und den furiosen Mojo-Sounds auf dem elektrifizierten Banjo sich einfach selbst zum Instrument macht. Singend, schreiend im exaltierten Duett mit dem rauen Tenorsax wird er zum ‘Ur¬menschen’, zu Adam ben Lucy, der seine Lebendigkeit herausschreit. Damit nicht genug, erteilt er jetzt auch noch ganz andere Lektionen: Bankster müssen erschossen, Blut¬sauger am nächsten Baum aufgehängt werden, damit die Sklaverei nicht wiederkehrt. Und sei’s geklagt: Jazz has no Mother anymore. Jazz ist nur noch ein Wort, das auf seinen 4 Buchstaben hockt und den neuen Mastern gefällig sein will. Die Jazz-Unis haben Jazz dazu gebracht, seine ‚primitiven‘ Eltern zu vergessen. Dabei muss man sich freilich die Mama so sexy vorstellen wie das ‚Baby‘, von dem Cooper-Moore bei seinem Mouthbow¬blues schwärmt. Bringt mir den berühmtesten dieser Pseudojazzer, ruft er, und wir fegen ihn von der Bühne. Ohne sich lange bitten zu lassen, bekommt man diese Zugaben einfach so. Und obendrein ein allerletztes Statement a capella: We are so happy, we are so happy, we are so happy to be ALIVE! Das A und O aller ‚Human Music‘. Es lernt sich kinderleicht in der Zwergschule Weikersheim. [rbd/BAD ALCHEMY]

Cooper-Moore / Assif Tsahar / Chad Taylor: University Kills Jazz. oder Eine Reise durch die Jazzgeschichte vom Revolutionsmarsch zum New Thing.

17. Februar 2012

ADA-Trio: Peter Brötzmann, Fred Lonberg-Holm, Paal Nilssen-Love

Einsortiert unter: Free Jazz,Konzertkritik — clubw71 @ 21:01
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Rigo (bad alchemy) hat wieder die passenden Worte zu diesem wunderbaren Konzert gefunden:

ADA or Ardor

Naja, wegen Nabokov sind wir eigentlich nicht unterwegs, am Mittwoch, dem
15.2.2012, auf der B 19 nach Weikersheim, auf der wider Erwarten eine kleine
Schneedecke unsere Anfahrt verlangsamt. Aber Schmetterlinge habe ich schon im Bauch.
Als ein Wintergewitterchen Blitze um sich wirft, zuckt der Gedanke mit: Ach, das Objekt
unserer Begierde ist noch beim Soundcheck. Unsere ADAs haben ihren Namen von einem
Club in Double V Upper Valley und einem dortigen Heimspiel von PETER BRÖTZMANN mit
PAAL NILSSEN-LOVE und FRED LONBERG-HOLM. Brötzmann im W71 ist natürlich auch
ein Heimspiel, sein 11. Auftritt im tauberfränkischen Partnerstädtchen von Chicago, Oslo
und Wuppertal. Mit der Rotwein- und Kuchengemütlichkeit ist es vorbei, als Brötzmann mit
einem Blick Richtung Paal und Fred Captain Picards Kommando “Energie!” gibt und Kurs
auf das Herz der Sonne nimmt. Nach nur wenigen Takten ist das Tenorsax auf höchster
Betriebstemperatur. Eine gute halbe Stunde später hat Brötzmann immer noch keinen
Schweißtropfen auf der Stirn. Dabei strahlt und gießt er mit weißglühenden Tönen bis zum
hohen C eine Intensität und Energie aus, die aber wie die Protuberanzen der Sonne keine
Arbeit zu sein scheint, sondern sein überschießendes Wesen. 3 Wochen vor seinem 71.
Geburtstag wirkt der große Feuersalamander beeindruckend feuerfest. Seine heißkalten
Echsenzungenküsse überschauern mich mit Gänsehaut. Nilssen-Love, den Kopf in seiner
typischen Manier ins Profil gedreht, blitzgewittert dazu, dass auf seinem taubengrauen
Hemd bald Hyänentüpfel blühen. Was er da knattert und ins Rollen bringt, manchmal so
groovy wie Han Bennink, öfters aber mit seinen eigenen Maximalismen, verwandelt mich in
einen Wackeldackel, der zugleich verwundert den Kopf schütteln und Headbangen muss.
Der Reihe vor uns, soweit sie nicht anerkennend grinst wie Rudi, geht es offenbar ebenso.
Der Norweger rummst gewittrige Kaskaden, rock’n'rollt mit Holz und Filz, kreuzfeuert
knallhart aus den Handgelenken. Die Becken zischen, als würde er den Hund in der
Pfanne mit Wasser bespritzen, er kratzt das Cymbal bis es quietscht, boingt den Gong,
das volle Programm. Der Cellist aus Chicago, ein magerer Hering mit Wollmütze, braucht
ein Weile, um sich ins Geschehen hinein zu fingern. Mit dem Bogen, der die Haare an
beiden Enden sträubt, sägt er dann aber richtig dicke Bretter, dass es nur so staubt. Er
arbeitet mit Hochdruck, schrill, raspelig, durchdringend. Zudem schraubt er an Effektschaltern
und ist auch elektronisch präsent, um ein Drumsolo rumorend zu unterstützen.
Er und Nilssen-Love und der wiederum mit Brötzmann kosten nämlich lieber ihre Lust am
Zusammenklang aus, als zu monologisieren. Wie das Saxophon da kakophone Celloschraffuren
imitierend aufgreift, ist nur ein Höhepunkt von vielen. Brötzmanns Tárogatótriller
im zweiten Set sind das einzige A capella-Solo, und was für ein poetisches dazu.
Raue Schale, weicher Kern wäre dafür zu banal gesagt. Der Gänsehautgarant ist vielmehr
dieses souveräne Changieren zwischen furiosem Drive und harmonischen, gefühlsechten,
inbrünstigen Unterströmungen. Lonberg-Holm schrappelt inzwischen Gitarre, eine 4-,
upps, eine 3-saitige. Nicht zufällig enden die einzelnen Spannungsbögen hauchzart. So
dass jeder Lauscher, jede Lauscherin, den Atem anhält bis Nilssen-Love das vibrierende
Becken stoppt. Draußen Glatteis. Aber was juckt das uns in Feuer und Flammen versetzte
Heimkehrer. ‘Ardor’, Glut, heißt es bei Nabokov. So wie wir nach dieser Brötzifikation
müssen sich die Apostel an Pfingsten gefühlt haben.

16. Februar 2012

ADA TRIO am 15.2.2012

Einsortiert unter: Free Jazz,Musik — clubw71 @ 21:41

Peter Brötzmann, Fred Lonberg-Holm & Paal Nilssen-Love gaben auf ihrer Europatour ein Gastspiel im Club. Eine frenetisch aufspielendes Trio vor frenetisch jubelndem Publikum im (trotz Glatteis) voll besetzten Club. Packend von der ersten bis zur letzten Sekunde. Schorle

13. März 2011

SQUADRA OMEGA im Club W71, Mar, 12th 2011

Einsortiert unter: Free Jazz,Jazz,Neue Improvisationsmusik,NOW Jazz,Punk,Rock — clubw71 @ 20:14

Jubiläumsjahr 40 Jahre Club W71, alle Konzerte in feinen Audio-Streams!
No.8:

SQUADRA OMEGA

20. Februar 2011

CINC: Ken Vandermark (sax), Philipp Wachsmann (viol & electr) & Paul Lytton (perc) / Konzertkritik von Rigobert Dittmann

Einsortiert unter: Free Jazz,Jazz,Musik,Neue Improvisationsmusik — clubw71 @ 14:19

Wenn unser Sound-Schlocker so fleißig war und jede Menge feine Musik hier eingestellt hat, will ich natürlich nicht nachstehen. Hier ist meine Ausbeute an Fotos dieses feinen Konzertes über dessen Klasse sich ausnahmsweise mal alle Besucher einig waren. Ken Vandermark bürgt einfach jedes Mal für etwas Neues und Überraschendes findet Schorle


BROKEN ENGLISH
Die ‚englische‘ Spielart der freien Improvisation entstand vor gut 40 Jahren nicht zufällig zeitgleich mit Monty Python‘s And Now For Something Completely Different. Und zwar als Witz, der darin besteht, etwas extrem Verspieltes bierernst zu tun und damit Ornette Coleman & Co. zu überbieten – der Bezug auf Something Else!!!! und Change Of The Century liegt ja wohl auf der Hand. Bis heute halten die Veteranen mit ‚englischer‘ Härte und trockenem Humor – mit dem Gesichtsausdruck einer toten Pfanne, wie die Angelsachsen treffend sagen – an dieser selbstwidersprüchlichen Form von Humor fest. Und es funktioniert. Selbst KEN VANDERMARK, zu jung und zu amerikanisch, um eingeweiht zu sein, fällt darauf rein. CINC, seit 2004 eine seiner Annäherungen ans ‚Englische‘, ist am 18.02.2011 in Weikersheims Flüsterkneipe für seltene Genüsse quasi eine Verabredung, sich gegenseitig Schafsgesichter vorzumachen. Symptomatisch für die Anstrengung, das über Jahrzehnte durchzuhalten, ist, dass PAUL LYTTON zum Anwärmen erst noch massiert werden muss, und PHIL WACHSMANNs Rollenspiel als pompöser Geigenprofessor, komplett mit weinrotem Schal, der schafsgesichtige Ladies mit Kultur versorgt. So genüsslich, wie der 66-jährige Maestro stehgeigerische, immer wieder melodische Floskeln einstreut, als zarte Andeutung, als kleinen Nachhall, ist er mein Kandidat, der unter Folterandrohung sofort den Witz des Ganzen verraten würde. Vandermark dagegen würde sich in Stücke schneiden lassen und immer nur ernsthaft sich bekennen können zu höchstmöglicher Spielkunst an Klarinette und Tenorsax, zu kollegialer Rücksichtnahme und spontaner Kreativität. Lytton ist dagegen die harte Nuss. Spaß und Bierernst bleiben bei ihm ununterscheidbar. Er rappelt und nestelt mit einem Riesensortiment an Stöcken und Nadeln und Krimskrams, mit dem er raschelt, pingt und kruschpelt, im ständigen Hin und Her zwischen manischen, verhuschten, dynamischen, skurrilen Momenten. Ohne eine Miene zu verziehen, nicht einmal wenn er einem Holzfrosch aufs Haupt tockt. Wachsmann dagegen lächelt zuweilen versonnen. Als stiller Genießer von Vandermarks Poesie. Und wohl auch über seine eigenen Capricen. Was er mit einem Bogenstrich süß andeutet, spießt er mit dem nächsten auf als schrill quiekende Ratte, romantische Geigenträume zerpflückt er gleich wieder mit Pizzikato oder zerkratzt sie, dass der Bogen Haare lässt. Er krabbelt, quietscht und klopft so nonchalant, als gehöre das ganz selbstverständlich zum Geigenspiel dazu. Sehr schön sind auch seine elektronischen Echos, die den Tönen etwas mehr Volumen geben. Dass die Geige meist nur zwischen größeren Tieren grillt, ist für Wachsmann offenbar kein Problem. Er verstand es immer, sowohl kammermusikalische Konstellationen zu bereichern – das Stellari String Quartet etwa – als auch größere Formate – das LJCO, das King Übü Örchestrü, das Evan Parker Electro-Acoustic Ensemble. Vandermarks Klarinette kommt der Geige und überhaupt dem ‚Englischen‘ entgegen, vor allem wenn er kirrt und keckert oder dünne Löcher bohrt. Mit Tenorsax macht er das Trio hybrider. Seinen gefühligen Blueston zum Abschluss, den scheinen seine Partner aber nur aus Höflichkeit zu flankieren. Anstand bewegt die Drei auch, angesichts der punktuell großen Begeisterung im Publikum, zu einer kleinen Zugabe. Kunscht ist nun mal kein Aufschnitt – eine Lektion der Englischen Schule. Symptomatisch scheint mir auch, dass sich die Musiker für die Weiterreise mit hochprozentigem Obstler versorgen, und dass ebenso die Heimkehrer Schnaps den CINC-CDs vorziehen. Mein innerer Holzfrosch lächelt über dies und das.

Mit Hihi
r
Und hier zum Weiterlesen der Link auf BAD ALCHEMY (Nr. 68 ist gerade erschienen).

19. Februar 2011

CINC im Club W71, Feb 18th 2011 Encore

Einsortiert unter: Free Jazz,Jazz,Musik,Neue Improvisationsmusik — clubw71 @ 20:17

Jubiläumsjahr 40 Jahre Club W71, alle Konzerte in feinen Audio-Streams!
No.6:
CINC im Club W71, Feb 18th 2011 Encore

CINC im Club W71, Feb 18th 2011 Pt. 2

Einsortiert unter: Free Jazz,Jazz,Musik,Neue Improvisationsmusik — clubw71 @ 20:16

Jubiläumsjahr 40 Jahre Club W71, alle Konzerte in feinen Audio-Streams!
No.6:
CINC im Club W71, Feb 18th 2011 Pt. 2

CINC im Club W71, Feb 18th 2011 Pt. 1

Einsortiert unter: Free Jazz,Jazz,Musik,Neue Improvisationsmusik — clubw71 @ 20:15

Jubiläumsjahr 40 Jahre Club W71, alle Konzerte in feinen Audio-Streams!
No.6:
CINC im Club W71, Feb 18th 2011 Pt. 1

Michele Doneda, John Russell und Roger Turner im Club W71, Jan 15th 2011, Pt. 2

Einsortiert unter: Free Jazz,Jazz,Musik,Neue Improvisationsmusik — clubw71 @ 16:11

Jubiläumsjahr 40 Jahre Club W71, alle Konzerte in feinen Audio-Streams!
No.2:
Michele Doneda, John Russell und Roger Turner im Club W71, Jan 15th 2011, Pt. 2

Michele Doneda, John Russell und Roger Turner im Club W71, Jan 15th 2011, Pt. 1

Einsortiert unter: Free Jazz,Jazz,Musik,Neue Improvisationsmusik — clubw71 @ 16:08

Jubiläumsjahr 40 Jahre Club W71, alle Konzerte in feinen Audio-Streams!
No.2:
Michele Doneda, John Russell und Roger Turner im Club W71, Jan 15th 2011, Pt. 1

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