40 Jahre! Jubiläumsfeier

Hier ein paar Eindrücke von der Jubelfeier mit Festrednern, Auszeichnungen und anschließender Partymusik von DJ NoBa und DJ Bräu am 1.10.2011.


club w 71: Drei Generationen feierten den 40. Geburtstag des Vereins / Wie ein großes Familientreffen / Erstmals Ehrungen durchgeführt
Lebendig, agil und kämpferisch wie einst
Weikersheim. Draußen vor der Tür sammeln sich die Raucher. „Das war vor 40 Jahren auch anders“, erinnert sich jemand. Das Feeling drin im Club w71 und draußen vor der Tür „hat irgendwie was von einem Klassentreffen,“ findet eine, die als Zugezogene im Club w71 fast schon ein Stück Heimat fand. Mit großem Hallo werden alte Freunde begrüßt, umarmt, die Augen strahlen.
Zum 40-Jahr-Jubiläum des legendären Clubs w71 kommen einzelne Familien gleich in drei Generationen starker Besetzung. Klassentreffen? Familientreffen! Ein Gründungsmitglied war gewarnt worden: Was willst du bei diesem Seniorentreffen? Dabei ist dieser lockere Jubiläumsabend lebendiger, agiler, fröhlicher und zugleich auch kämpferischer als so manches Treffen von Zwanzigjährigen.
Dass statt des handgestrickten Wollpullovers eher Jeans und Jackett das Bild bestimmen, dass sich die Gründer von einst inzwischen ergraut und arriviert aufs Rentnerdasein vorbereiten: Wen schert das schon. Andernorts braucht man ein offizielles „warming-up“, um wieder ins Gespräch zu kommen. Im Club ist das an diesem Abend nun wirklich nicht erforderlich: Man muss nicht anknüpfen, scheint einfach ein gerade erst unterbrochenes Gespräch weiterzuführen, auch wenn dazwischen zwei Jahrzehnte Lebenszeit verhuschten.
Regelrecht „platt“ seien sie darüber, dass so viele der ersten Generation der Einladung zum Jubiläumsabend gefolgt sind, sagt die derzeitige Führungsgeneration, die auch schon stark auf die 50 zugeht. Erinnerung steht an – auch kulinarisch: Ganz wie einst gibt’s Leberwurstbrot mit Gurkenscheiben, Käsebrot mit Paprika und Zwiebelringen. Das reichte, damals, reicht auch heute.
Frieder König, einer der Gründerväter, erinnert an die bis in die Mitte der 60-er Jahre zurückreichende Vorgeschichte des Clubs: Vietnamkrieg und die erste Delle im bis dahin ungebremsten Wirtschaftswachstum prägten das Denken, ebenso wie die Wahl der ersten Großen Koalition mit Kurt Georg Kiesinger als Bundeskanzler und dem SPD-Außenminister Willy Brandt im Bund, im Land Hans Filbinger als Ministerpräsident.
Notstandsgesetze, der Schah-Besuch, im Gefolge der Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg gaben 1976 in Berlin das Signal zur Entstehung der APO, und im Ländle rauschte die NPD mit Erfolg ins Parlament – kurzzeitige Zuflucht für viele, die mit der Veränderung kleinbäuerlicher Verhältnisse nicht Schritt halten konnten und sich bei der mit den Sozis regierenden CDU nicht mehr heimisch fühlten.
Der Schrecken darüber schüttelte auch die Provinzjugend kräftig durch, die sich etwa bei Demonstrationen gegen die Notstandsgesetze gefunden hatte. Begierig folgten sie jedem Zeichen, das auf neue Zeiten hoffen ließ, fieberten dem Recht auf die erste eigene Stimmabgabe entgegen, freuten sich über die 1969 nach Misstrauensvotum ins Amt gekommene neue Bundesregierung aus SPD und FDP.
Frieder König ergänzte den Parforce-Ritt durchs Politumfeld mit der Weikersheimer Details: ein einziger SPD-Mann saß im Gemeinderat, als unter Bürgermeister Hirsch der Neubau des Progymnasiums erfolgte, das auch über das im weiten Umkreis erste Hallenbad verfügte. Noch stritt man im Gemeinderat erbittert über die anstehende erste Ansiedlung eines Supermarktes, als mit den ersten größeren Ansiedlungen auch Weikersheim seine Industrialisierung erlebte, die ersten Gastarbeiter auftauchten, um etwa in der Jaquard-Weberei zu arbeiten.
Für die Jugendlichen war der Ort dennoch eher trist: Als die Stadt in den Kellergewölben des zum Rathaus gewordenen ehemaligen Dekanatsgebäudes einen „Fränkischen Bürgerkeller“ für die Musikalische Jugend einrichten wollte, setzte ein Berichterstatter in einer eingeklammerten Bemerkung den Jugendlichen einen Floh ins Ohr: „vielleicht denken die jungen Leute aus Weikersheim auch an eine Keller-Diskothek“, sinnierte der Journalist. Eher dachten sie an einen eigenen Treffpunkt, der ja im Rathauskeller ganz gut untergebracht gewesen wäre. Noch im selben Monat, im Dezember 1969 bildete sich ein „Initiativausschuss“, der sich anschickte, energisch die Gründung eines Jugendclubs anzugehen und tatsächlich Heiligabend 1969 den Antrag zur Überlassung des Kellers formulierte. Der Antrag blieb erfolglos, die Jugendlichen sammelten in Weikersheim und rund 30 Ortschaften 700 Unterschriften, schrieben geharnischte Leserbriefe. Vernetzten sich mit den ersten Clubs, die in Nürtingen, Tübingen, Kirchheim und Schorndorf an den Start gegangen waren. Im Sommer 1971 hoben knapp 40 Jugendliche im Gasthaus „Hirsch“ den „Club W71“ aus der Taufe. Studienrätin Angelika Barth wurde als erste Vorsitzende gewählt, und bald konnte der Club nicht nur mit den Renovierungsarbeiten beginnen, sondern auch das erste Programm auflegen.
Schon im Oktober 71 zeigte die Galerie im Club Karikaturen des Londoner Künstlers Ronald Searles, Friedrich König holte mit einer Diaschau die Neue Welt nach Weikersheim, im Vorfeld der Gemeinderats- und Kreistagswahlen stand Politik auf dem Programm, Autor Wolf Wondratschek wurde zur Lesung geladen. Dieser Termin platzte, nicht dagegen das erste große Free-Jazz-Konzert mit dem Norwegischen Jan-Garbarek-Quartett, das im evangelischen Gemeindesaal sogar vom Süddeutschen Rundfunk aufgezeichnet wurde.
Das erste offizielle Programm Grundprogramm passte, die Richtung war abgesteckt, wird bis heute verfolgt. „Bitte, macht so weiter: Euer Programm ist purer Sprengstoff“, grüßte Werner Hassler, heute Leiter der Schorndorfer Manufaktur, zum Jubiläum. Natürlich ist inzwischen vieles anders: Die Jugend ist mobil, Angebote gibt’s reichlich, Arbeitskreise wie Trommelgruppe, Tanzkurs, Tango- und Gymnastik-AG werden heute von jeder Volkshochschule, sonstigen Bildungsträgern und kommerziellen Anbietern geliefert. „Die Dienstleistungs-Gesellschaft bietet alles, allerdings gegen Geld“, so Norbert Bach, der gemeinsam mit Elsbeth Schmitt und dem kleinen Leitungsteam den Club seit Jahren lebendig hält.
Andere Clubs aus der gleichen Gründungszeit haben entweder aufgegeben oder mutierten zur professionell geleiteten Einrichtung. Der Club w71 setzt weiter auf die klare, eigene, kompromisslose und ehrenamtliche Linie – und dürfte sich wohl auch in Zukunft immer wieder einmischen in die Debatten mit dem „kommunalpolitischen Sultanat“, wie zumindest Gründungsmitglieder hoffen.
Erstmals in der gesamten Clubgeschichte gab es auch Ehrungen: Für das runde Dutzend anwesender Gründungsmitglieder hatte Elsbeth Schmitt eigens einen „Orden“ gebastelt: Ein Ansteck-Herz. ibra (in der FN vom 4.Oktober 2011)

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