The Pollywogs

Am Pfingstsamstag ein Treffen der Fußballjugend um den Club herum. Im Club Powerpop mit den Pollywogs und ein wieder mal ausgesprochen weibliches Publikum. Nicht nur die Rickenbacker-Gitarre hat mich an die guten alten Who erinnert. Das Schlagzeug blieb allerdings heil. Schorle

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Bettina Semrau über Seval

Hier die Konzertkritik zu Seval von Bettina Semrau aus dem FNWeb

Intimer und inspirierender Grenzgang

Weikersheim. Wenn der club w 71 zum Jazzkonzert einlädt, nehmen Liebhaber auch die Anreise aus Nürnberg in Kauf. Die Szene weiß, dass Hochkarätiges zu erwarten ist. Natürlich ist ein Dienstag nicht gerade ein perfekter Termin, da aber „Seval“ zwischen Auftritten in Stockholm, Antwerpen, Amsterdam, Brüssel, Posen und Wels nur an diesem Dienstag noch einen Termin fürs Club-Publikum – übrigens den einzigen in Deutschland – einschieben konnte, verließ sich das Organisationsteam auf sein Spezialpublikum. Erfolgreich: 30 Besucher erlebten einen Abend der besonderen Art.

Es ist unglaublich, was die 24-jährige Sofia Jernberg mit ihrer Stimme anfängt, und es ist faszinierend, was Fred Leonberg-Holm (Cello), Patric Thorman (Bass), Emil Strandberg (Trompete) und David Stackenas (Gitarre) aus ihren Instrumenten herauskitzeln.

Seval ist eine noch junge Formation: Fred Leonberg-Holm – im Club kein Unbekannter, der sein Cello bei diesen Gelegenheiten allerdings eher als experimentelles Rockinstrument neben Schlagzeug und Peter Brötzmanns unnachahmlichem Saxophon in Stellung brachte – und Sofia Jernberg entwickelten die Idee gemeinsam. Leonberg-Holm steuerte seine Kompositionen bei, Sofia ihre Stimme, die alles kann: hauchen, schreien, schweben, umwerfen, keckern wie Seemöwen, sirren wie Sand, das Ganze mit einer Oktaven-Ausdehnung, die manche Operndiva neidisch machen könnte.

Seval – vier etablierte schwedische Jazz-Musiker und der Chicagoer Cellist – gestaltet in freien Arrangements und nahezu Vollimprovisation auf der Basis von Leonberg-Holms Kompositionen regelrechte Soundlandschaften, Klangräume, die sich von Konzert zu Konzert, je nach Publikum, völlig unterschiedlich entwickeln können.

Wie vielfältig dabei die Soundmöglichkeiten sind, erlebte das extrem aufmerksame Publikum – Stecknadeln hätte man fallen hören können in den Momenten der Stille – bereits nach dem ersten Stück. Aus ihren rein akustischen Instrumente kneten, ratschen, klopfen, streichen und klopfen sie, ohne sich dabei je in Stapeltönen oder Schleifen zu verlieren, höchst überraschende Harmonien und komplexe Aussagen heraus, die kaum machbar zu sein scheinen. Da werden Cello und Bass von der Schnecke bis zum Stachel bespielt, da schiebt Thormann den Bass über die Fliesen, da setzt Leonberg-Holm den Bogen nicht nur auf den Saiten, sondern auch an Deckenrand und Stachel ein; da lässt Stackenas – auch er im Club kein Unbekannter – die Saiten sirren, klirren, hüpfen, schafft eine Tonerfahrung, in die man wohl versinken kann, die sich jedoch erfolgreich Beschreibungsversuchen widersetzt. Auch Strandberg kreiert in gewagten Grenztänzeleien, die nie zu scheitern scheinen, ein völlig neues Trompetenklangbild.

Jederzeit traut man ihnen zu, aus der freien Improvisation in fest strukturierte anspruchsvolle traditionelle oder zeitgenössische Klassik zu wechseln, die in mikrofeinen Zitatpartikeln immer wieder mitklingen. Jederzeit ist man auf alles gefasst und stets wieder überrascht: Berührend, faszinierend, melodiös, seidenweich, fordernd, voller Power von windhauchfeinem Gräserwehen bis zur Soundekstase, ganz strange und hoch inspirierend bewegt sich Seval zwischen Pop und Free Jazz, Kammermusik und akustischem Experiment.

Die Titel der letzten beiden Songs „Don’t forget“ und „It may be too late“ bringen auf den Punkt, was das Publikum nach dem anderthalbstündigen Konzert mitnimmt: Ein unvergessliches, nicht wiederholbares, sehr intimes und intensives Klangerlebnis, bei dem alle, die nicht da waren, mit dem „zu spät“ leben müssen.
© Fränkische Nachrichten, Samstag, 12.05.2012

SEVAL

Ein ungewöhnlicher Termin: Dienstag, 8.5.12
Eine ungewöhnliche Gruppe: Sofia Jernberg (Stimme) – Fred Lonberg-Holm (Cello) – David Stakenas (Gitarre) – Emil Strandberg (Trompete) – Patric Thorman (Bass)
Ein unerwartet zahlreiches Publikum lies sich durch moderne Kammermusik verzaubern. Schorle