Schlippenbach Trio im KULT, Niederstetten

Hier der Bericht von Michael Weber-Schwarz aus der TZ vom 5.12.2012

Höchst lebendige Ikonen
Ein wunderbares Konzert spielte am Sonntagabend das „Schlippenbach-Trio“ im Niederstettener „Kult“. Drei Altmeister des Freejazz brachten Hochspannendes und Lyrisches auf die Bühne.

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Alexander von Schlippenbach „clustert“: Das Hämmern mit den Handballen ist aber nur eine Facette im Spiel des Ausnahmepianisten. Zitat und Spontanmusik fließen scheinbar mühelos aus den Händen des 74-Jährigen. Foto: M. Weber-Schwarz

Über die musikalische Vita von Alexander von Schlippenbach und seinen Mitspielern ist im Grunde alles geschrieben. Ein „Zeit“-Artikel fasst sie trocken und wahr so zusammen: „Das Schlippenbach-Trio hat europäische Freejazzgeschichte geschrieben, seine Musik swingt. Es gilt heute als eines der langlebigsten Kollektive der Improvisierten Musik (…) Intensität und Dichte, Klangberge und leise Horizonte aus einer gut gefüllten Schatztruhe gemeinsamer Spielerfahrung geschöpft.“
Der club w 71 hat die Freejazz-Altmeister (Betonung auf Meister) einmal mehr hierher gelotst. Über Glasgow und Leipzig machte das Trio auf seiner „Winterreise“ in Niederstetten Station (weils im „Kult“ einen guten Konzertflügel und im Club halt keinen gibt).
Weiter gehts dann nach Linz, Genf, Berlin. Im ersten Set – rund 40 Minuten nonstop – all das, was Freejazz ausmacht. Ungeheuer spannende Phasen mit (der Vollständigkeit halber) Alexander von Schlippenbach am Piano, Evan Parker am Saxophon und Paul Lovens am Schlagzeug. Einem Nicht-Freejazz-Hörer ist kaum zu vermitteln, was da stattfindet: Auseinanderfallen und Zusammenprallen von Sounds und Rhythmen, feinstes Zusammenspiel, das aus scheinbarem Chaos urplötzlich in Uniosono-Passagen übergeht. Die stärksten Momente sind aber die lyrischen, sehr gefühlvoll das gegenseitige Zuhören, Abtasten, Zusammenfinden, zart, schön, unerschöpflich, wunderbar. Im zweiten Set wird die harmonische Seite ebenfalls stark betont, griffige Piano-Themen prägen es. Paul Lovens ist die Triebfeder, die nach ruhigen Momenten die Lokomotive immer wieder an- und einen druckvollen Pulse unterschiebt, mit den Stöcken quietschig alle Arten von Becken bearbeitet, während Parker das Tenorsaxophon unzählige Läufe hinauf- und hinunterquellen lässt, endlose Zirkularatmung inklusive. Von Schlippenbach steht dabei immer in fast unmerklichem Augenkontakt mit den Mitmusikern; über ein subtiles Singen und Summen führt er.
Trotz „free“ hat dieser Trio-Jazz etwas durchaus Stilhaftes – und das bei Schlippenbach & Co. schon seit Jahrzehnten. Es ist das Gemeinsam-Reifen, das am Ende einen Zuhörer sagen lässt: „Einfach schön.“

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Die drei Herren werden auch im 42sten Jahr ihrer Zusammenarbeit immer noch besser. Wie üblich bei Schlippenbachs Winterreise wieder mit Schneefall und dementsprechenden Straßenverhältnissen verbunden. Und doch wieder ein starkes Konzert vor sachkundigem und zahlreichem Publikum … findet …Schorle

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