Bericht zum Konzert mit BALLISTER am 21.2.2013 (von Rigo/bad alchemy)

Zu versäumen, wenn zwei Größen der Chicago-Szene mit PAAL NILSSEN-LOVE Station in Weikersheim ma­chen, da hätte ich mir in den Arsch beißen müssen. So aber bin ich dabei, am 21.2.2013, wenn DAVE REM­PIS, der schon mit seinem Percussion Quartet im w71 gespielt hatte, und FRED LONBERG-HOLM, der genau ein Jahr zuvor mit PNL und Peter Brötzmann als ADA im tauberfränkischen Brückenkopf des NowJazz sein Cello traktiert hat, mit diesem  Rock’n’­Roller unter den Freispielern zusammenrauschen. Der hämmert auch gleich los, um mit accelerierendem und crescendierendem Powerplay diesen Donnerstagabend über andere Donnerstagabende hinaus zu katapultieren. Wie er da losknattert mit typisch seitwärts gedrehtem Gesicht, ist es kein Wunder, dass sein graues Hemd bald dem gefleckten Fell einer Hyäne gleicht. Lonberg-Holm, der als magerer Asket mit seinen unter der Wollmütze herab hängenden Strähnen und dem im Partnerlook die Haare sträubenden Bogen etwas von einem Erweckungsprediger hat, ist anfangs mehr zu sehen als zu hören. Verschüttet von PNL, und von Rempis mit spitzen Altoschreien überschrillt. Dass im Verlauf des vor und nach der Pause jeweils nochmal zweigeteilten Sets aber doch auch noch die leisesten Schab- und Knarzlaute am Cellokorpus hörbar werden, weil Rempis sich zart zurück­nimmt, nur ploppt oder tonlose Luft übers Mundstück bläst, und PNL, wenn auch alles andere als geziert, Stöcke aneinander reibt, Gongs schwenkt oder das Fell nur schabt, das macht die spezifische Totalität dieses Trios und ihrer musikalischen Sprache aus. Lonberg-Holm arbeitet viel mit bloßem elektronischen Noise, hantiert aber auch pizzikato oder mit dem Bogen zwischen und sogar unter den Saiten und hinter dem Steg, wenn er nicht gegen den herkömmlichen cellistischen Strich quietschfiedelt. Umso verblüffender dann die kurzen ’schönen‘ Passagen, wenn er die Saiten sonor ’sprechen‘ und singen lässt, und wenn auch Rempis süße Lollies lutscht. Die Duette von Cello-Schlagzeug und Cello-Saxophon sind Highlights, weil sie den dichten Nahkampf der Drei transparent werden lassen, die zwischen den furiosen Attacken sich immer wieder die Zeit nehmen, nach neuen Klängen und Geräuschen zu stöbern. Ballister bedeutet ‚Armbrust‘, was, deutsch und wörtlich, sehr gut dem Wesen dieser Musik entspricht, ihrer Körperlichkeit und dem Handwerken mit Holz und Blech. PNL macht es besonders augenfällig: Ein Schlagzeuger ist einer, der Zeug schlägt, und das Zeug ist Holz, Metall, Fell, es ist rund, eckig, scharfkantig, geriffelt, hohl etc. Er kann zwischendurch tasten, kratzen, prüfen, auch mit bloßen Händen. Aber er kommt unvermeidlich mit eckig pleuelnden Ellbogen und knüppelharten Stockschlägen wieder ins Rollen, wobei er die Lokomotivisierung mit Über­kreuzhieben und gezielten Takt- und Tempowechseln ab- und umbricht. Grooven wie blöd, das können andere. Hier geht es um einen Generalcheck der Sinne, der der stumpfen Li­nearität und Rotation, die selbst Sex, Drugs & Rock’n’Roll schon durchwirken, quertreibe­risch spottet. Der zweite Set ist anfangs jazziger, weil Rempis sich als versierter Sprudler einbringt. Aber die Drei stürmen, angetrieben von PNLs Geknatter und Geschmetter, wie­derum zum rasanten Feuerio! Das gibt es zuletzt auch nochmal als Encore, die uns, pfeil­genau ins Herz getroffen und mit nachglühenden Backen, an den Freitag weiterreicht.

(Rigobert Dittmann/bad alchemy)

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The Widowbirds

Die „Feuerweber“ aus Australien auf ihrem ersten Europabesuch – am Faschingssamstag bei uns. Stilechter 60er-Psychedelia-Bluesrock , der Club wieder auf der Retrotrip. Mit stilechter Umrahmung durch „DJ Bräu“. Armin mit seinem neuen Mischpult konnte sein Können beweisen.

Widowbirds 01 Simon Meli 01

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Tony Kvesic 01

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Widowbirds 12 Widowbirds 11

Widowbirds 08 Steel ONeill

Armins neues Mischpult

Armins neues Mischpult