Peter Brötzmann – Steve Noble Duo, 24.4.2014

Unser Hausfotograph Schorle konnte beim Brötzmann-Noble Duo leider nicht vor Ort sein. Dafür war Rigo da (Rigobert Dittmann/bad alchemy). Hier seine Eindrücke vom Konzert:

Taramtamtam!Toromtomtom!Ra!ta!ta!ta!Klenngg!! Wenn man sich ein Schlag¬werkspektrum vorstellt mit ‚King of Denmark‘ als einem Pol und ‚Moby Dick‘ als anderem, dann ist STEVE NOBLE ein Captain Ahab, der unter vollen Segeln dem dicken ‚Fisch‘ nachjagt. Ihn heute, es ist der 24.04.2014, im gerammelt vollen W 71 das erste mal die Trommel schlagen zu sehen, schließt eine arge Lücke in meiner Drummersammlung. Er hat sein Handwerk in Nigeria an der Quelle studiert, in den 1980ern bei Rip, Rig & Panic und Kahondo Style gespielt und sich in den ver¬gangenen 20 Jahren als Wirbelwind in der britischen Szene etabliert, in School Of Velocity, Badland, Decoy und N.E.W. immer wieder zusammen mit John Edwards, Simon H. Fell, Alex Ward oder Alan Wilkinson, aber auch ungewöhnliche Heraus¬forderungen durch Ikue Mori oder Stephen O’Malley sind sein Ding. Oder PETER BRÖTZMANN. Der hat ihn jetzt nach Weikersheim mitgebracht, wo er hält, was seine kecke Frisur verspricht. Mit energischem Toromtomtom! lässt er den Kreisel brummen, den Bohrer drillen, den Derwischtanz rollen, den Brötzmann auf der Tarogato anfeuert. Was dem der Zahn der Zeit nimmt, das mehrt nur seine Aura, seine faszinierende Souveränität und Intensität, mit der er auch hier mit Noble wieder zusammen bringt, was zusammen gehört, wenn er den Bogen schlägt von morgenländischer Sufitrance zu westlichem La Commune- und Maidanalarm. Noble setzt einen dafür in innere Drehung, und dann im alten Drum & Fifes-Stil in Aufruhr. Um freiheitsdurstig mitzuwippen. Brötzmann röhrt auf dem Tenorsax, kirrt mit der Klarinette. Die Töne können ihm gar nicht schmutzig genug sein, er wischt mit der ganzen Handfläche über die Klappen, trillert mit starkem Vibrato, verschmiert Klangfarben. Und singt so den Blues, beißend und hymnisch, er gräbt, bis es fast weh und dadurch besonders gut tut, lässt alte Songs anklingen und sogar ein Lullaby, das rührend berührt. Ihn so mit Feuer und Melodie spielen zu hören und zuletzt bei der zweiten Zugabe mit einem tatsächlichen ‚Caravan‘, das ist einfach grandios. Gibt es einem doch das Gefühl, wir vom Alditütenschleppen Gestählten und in Urlaubsstrategien Gewieften hätten doch auch noch einen Darm und eine Poesie im Leib. Dazu erteilt Noble eine essentielle Schlagzeuglektion, mit Tamtam von der bloßen Hand, mit Stöcken und mit Schlegeln, mit Gong und mit Klangschalen, wobei er immer wieder auch die Kanten anschlägt und nicht nur bei seinen Solopassagen die Klänge nuanciert durch Finger- und Stockdruck. Kratzend trifft er sogar die Klarinette Ton in Ton. Aber Improsprotten sind nur Beifang, sein Eifer gilt einzig dem weißen Wal. Die Shirtbrust schweißgefleckt, die Haare kampfeslustig, das Tempo seines Rollens und Pochens enorm, alles Wesentliche sagt er mit Tomtom und Bassdrum, mit Donner und Blitz, das Metall ist für die Akzente. Dabei hält er die Stöcke locker wie ein Konzertschlagwerker, kommt immer wieder auch vom Prügel aufs Stöckchen. Sehr beeindruckend, und die nickenden Köpfe vor mir bestätigen das. Fundamentaler Stoff! [rbd]

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